Kraichtal (sn). Eine gute Wasserversorgung ist für die Zukunft des ländlichen Raums unerlässlich. Erst wenn einem das „Lebensmittel Nr. 1“ von heute auf morgen einmal nicht mehr zur Verfügung steht – beispielsweise aufgrund einer Keimbelastung – wird einem bewusst, wie bedeutend die Ressource für das tägliche Leben ist. Dies weiss auch Staatssekretär Dr. Andre Baumann vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, der bei seinem Besuch im Oktober des Jahres 2017 in der Mehrzweckhalle Oberacker, den druckfrischen Förderbescheid zur Neustrukturierung der Wasserversorgung für die Kraichtaler Stadtteile Gochsheim, Münzesheim und Oberacker an Bürgermeister Ulrich Hintermayer überreichte.

Mittlerweile haben die Erdarbeiten für den Bau des neuen, zentralen Hochbehälters begonnen. Dieser wird beim bestehenden Hochbehälter „Forst“ im Stadtteil Oberacker errichtet. Wesentliche Bestandteile des Konzepts sind der Bau eines zentralen Trinkwasserhochbehälters sowie das Herstellen einer Verbindung zwischen den Stadtteilen Gochsheim und Münzesheim mittels Ringleitung, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Die einzelnen Projekte sollen abschnittsweise umgesetzt werden. Der Kraichtaler Gemeinderat hatte im Oktober 2017 über die vorgestellte Planung zum Neubau des zentralen Hochbehälters in Oberacker eingehend beraten, verschiedene Ausführungsvarianten miteinander verglichen und schließlich den Baubeschuss für die Umsetzung der Baumaßnahme einstimmig gefasst. Seiner Zeit hatte man sich zunächst für eine Ausführung in Ortbetonbauweise entschieden. Da im Zuge der Ausschreibung ein wirtschaftlicheres Nebenangebot mit Betonfertigteilen als Ausführungsvariante einging, werden die Arbeiten nun entsprechend ausgeführt. In rund drei Wochen sollen die ersten Fertigbauteile angeliefert werden. Mit dem Abschluss der Gesamtmaßnahme ist im Jahr 2022 zu rechnen. Die Bauzeit für den ersten von insgesamt vier Bauabschnitten beträgt rund ein Jahr.

Nachhaltiges Konzept getreu dem Motto „Aus drei mach eins!“

Ausgangspunkt für die von den Stadtwerken Kraichtal vor Jahren in Auftrag gegebene Studie waren die zahlreichen Hochbehälter, die in neun Stadtteilen Kraichtals zur zuverlässigen Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser vorgehalten werden. „Ziel des Strukturgutachtens war es dabei nicht nur die festgestellten Mängel zu beseitigen, sondern eine zukunftsweisende Lösung für die nächsten Generationen zu finden –  also ein nachhaltiges wie gleichermaßen wirtschaftliches Konzept, das sukzessive umgesetzt werden kann“, erinnert Gerhard Süpfle, Amtsleiter Finanzen und Technik, an die anfänglichen Überlegungen. Schnell wurde erkannt, dass aus drei Hochbehältern in Gochsheim, Oberacker und Münzesheim einer gemacht werden soll. „Der Hochbehälter im Stadtteil Münzesheim ist von seinem Volumen her zu klein und in einem schlechten Zustand. Eine grundlegende Sanierung und Erweiterung des Behälters war kaum noch möglich. Die Kosten für eine Ertüchtigung würden die für einen Neubau weit übersteigen“, weiß Gerhard Süpfle. Er führt weiter aus, dass „beim Hochbehälter in Gochsheim gleichfalls dringender Handlungsbedarf bestand, denn der Behälter ist ebenfalls zu klein und weist erhebliche Bauwerksschäden auf.“ Insbesondere bei den Hochbehältern in Gochsheim und Münzesheim besteht derzeit bei der Brandreserve ein Defizit. Die Neuverlegung einer Förderleitung von Gochsheim (Versorgung mit Bodenseewasser) zum zentralen Hochbehälter wird ebenso notwendig, wie die Verlegung einer Fallleitung zwischen dem Hochbehälter und den Stadtteilen Münzesheim und Gochsheim. Ein Ringschluss zwischen den Stadtteilen Münzesheim und Gochsheim ist zudem aus Gründen der Versorgungssicherheit unumgänglich. Auf Grund der höheren Lage des zentralen Hochbehälters kann die Druckerhöhungsanlage in Münzesheim (Baugebiet „Holder“) außer Betrieb genommen werden.

Kosten des Großprojekts

Für den Hochbehälter Oberacker mit Bedienungshaus ergeben sich Herstellungskosten in Höhe von rund 1,8 Millionen € (brutto). Für die Realisierung des Wasserversorgungskonzepts fließen Fördermittel des Landes. Der Fördersatz beträgt 65 Prozent.