Kraichtal (sn). Was lange währt, wird endlich gut: Nach jahrelanger Planung und rund eineinhalbjähriger Bauzeit, fand am Freitagabend, 20.07.2018, die feierliche Einweihung des neuen Feuerwehrhauses mit Vereinsräumen in Neuenbürg mit symbolischer Schlüsselübergabe von Architekt Jürgen Fetzner an Bürgermeister Ulrich Hintermayer statt. Vorbei ist damit die Zeit der Provisorien des alten Feuerwehrgerätehauses. Der Bürgermeister spricht von „einem großen Fortschritt und einem weiteren Meilenstein für den Brand- und Katastrophenschutz in Kraichtal-Neuenbürg und nicht zuletzt eine Anpassung an die Erfordernisse der Zukunft“.

Zahlreich geladene Gäste, unter ihnen auch der Erste Landesbeamte Knut Bühler sowie Kreisbrandmeister Thomas Hauck, waren der Einladung des Stadtoberhauptes gefolgt und erlebten eine kurzweilige Einweihungsfeier. Nach einer musikalischen Eröffnung durch den Musikverein Neuenbürg sprach Bürgermeister Ulrich Hintermayer in seiner Begrüßung von einer Investition für Leib und Leben. „Nicht die Feuerwehr braucht ein neues Feuerwehrhaus – die Bürger brauchen es“, so das Stadtoberhaupt. Getreu dem Zitat von Eckart von Werthebach, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, „Keine Kommune schafft die Feuerwehr ab, weil es ein paar Tage nicht gebrannt hat,“ machte Hintermayer deutlich, wie wichtig eine leistungsfähige, gut ausgerüstete Wehr für jede Kommune, nicht nur für Kraichtal, ist. Mit dem Neubau am Standort „Jedermannstraße 20a“, nebst örtlicher Mehrzweckhalle, haben die Abteilung Neuenbürg der Freiwilligen Feuerwehr Kraichtal, das Deutsche Rote Kreuz, der örtliche Musikverein, der Männergesangverein mit Frauenchor Neuenbürg und die Reservisten Kraichtal bedarfsgerechte Räumlichkeiten erhalten.

Hartmut Hubbuch, Vorsitzender der Ortsvereine Neuenbürg, sieht das neue Vereinsheim als Begegnungsstätte und wünschte sich ein harmonisches Miteinander unter den künftigen „Nachbarn“. Den guten Wünschen schloss sich auch der Erste Landesbeamte Knut Bühler an. Er betonte: „Die jüngsten Hochwasserereignisse haben gezeigt, wie wichtig eine gut funktionierende und ausgerüstete Wehr ist.“ Bevor die Feiergäste zum gemütlichen Teil des Abends, einem Stehimbiss mit anschließendem Rundgang durch die neuen Räumlichkeiten, übergingen, segneten die beiden Pfarrer, Wolfram Stockinger und Klaus Vogel, das neue Gebäude. Ebenso gesegnet wurden die beiden neuen Mannschaftstransportwagen für die Abteilungen Neuenbürg und Gochsheim, die ab sofort den Fuhrpark der Kraichtaler Wehr bereichern und eingebettet in die Einweihungsfeierlichkeiten am selben Abend übergeben worden waren. „Bleibt zu hoffen, dass die Kraichtaler Feuerwehr ihre Löschfahrzeuge möglichst nur zur Übung aus dem neuen Haus holen muss.“ Diesem Wunsch von Bürgermeister Ulrich Hintermayer ist nichts mehr hinzuzufügen.

Entstehungsgeschichte „vom jahrzehntelangen Wunsch zur Wirklichkeit“

Mit Beschlussfassung im Gemeinderat Ende September 2009 zur Antragstellung „Aufnahme des Stadtteils Neuenbürg in das ELR-Förderprogramm (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum)“ und kurz darauf einer Sitzung mit der Arbeitsgemeinschaft der Neuenbürger Vereine und Vertretern der Stadt Kraichtal hinsichtlich der zukünftigen Unterbringung der Feuerwehr und der Vereine waren die Grundsteine für das Neuenbürger Großprojekt gelegt worden. Herausgekommen ist ein Gebäude mit rund 3.200 Kubikmetern Bruttorauminhalt und einer Geschossfläche von circa 600 Quadratmetern, verteilt auf zwei Ebenen. „Der Feuerwehrbereich entspricht größtenteils der vorgegebenen Feuerwehrnorm, während der Vereinstrakt eng auf die Bedürfnisse der späteren „Nutzer“ abgestimmt wurde“, betonte das Kraichtaler Stadtoberhaupt. Mathias Bauer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kraichtal, wiederum brachte in seiner Ansprache zum Ausdruck, wie sehr er sich über das neu entstandene Heim für die Feuerwehrkameradinnen und –kameraden freut, das nun mit Leben gefüllt werden will. Ein gemeinsamer Raum mit angegliederten Toiletten und Behinderten-WC sowie Lagerräumen im Kellergeschoss komplettieren den Neubau. Während der Bauphase wurden 100 Prozent regenerative Energiestoffe eingesetzt.

„Ausgaben für das Ehrenamt lohnen sich“

Die Entstehungskosten belaufen sich auf geschätzt 1.557.000 € brutto, inklusive Befestigung der Außenanlagen. Fördermittel wurden als „Fachförderung Feuerwehr“ mit 120.000 € und zusätzlich 388.000 € Investitionshilfe aus dem Ausgleichstock bewilligt. Die beantragte Zuwendung aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum mit 131.000 € hingegen wurde nicht bewilligt. Zur Kostenreduzierung waren die Feuerwehr und die am Bau beteiligten Vereine um Eigenleistungen gebeten worden. Allein rund 4300 Mannstunden leisteten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kraichtal, Abteilung Neuenbürg. So wurden beispielsweise die Decken in der Fahrzeughalle und im Lager selbst eingebaut. Insgesamt rund 15.000 € sind aus eigenen Rücklagen in das Gebäude investiert worden. Dieser nicht alltägliche Einsatz wurde im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten von allen Seiten gebührend gewürdigt.