Kraichtal (sn). „Wir haben extra die Ernte vorverlegt, um an diesem Termin teilnehmen zu können“, erklärte Udo Eichinger, Vorsitzender der Kraichtaler Landwirte e. V. schmunzelnd. Gemeint war eine Zusammenkunft von Vertretern der Kraichtaler Landwirtschaft, des Amtes für Landwirtschaft und der Stadtverwaltung Kraichtal mit dem Ziel, Möglichkeiten zur Verhinderung weiterer Erosionsschäden durch Starkregen zu diskutieren. Im Mai und Juni dieses Jahres hatten Starkregenereignisse in Kraichtal-Menzingen, Neuenbürg, Oberöwisheim und Unteröwisheim für überflutete und verschlammte Straßen, Höfe, Gärten und Keller und damit große finanzielle Schäden für die Betroffenen gesorgt. Aber auch für die Landwirtschaft hat der Bodenabtrag weitreichende Bedeutung. Die humöse Erde ist die Lebensgrundlage der Landwirte, die Wiederherstellung der nun abgetragenen Bodenschicht wird viele Jahre in Anspruch nehmen.

So war man sich dann auch schnell einig, dass von allen Seiten etwas unternommen werden sollte, um eine Wiederholung der Ereignisse im zuletzt dagewesenen Ausmaß zu verhindern. Gleichwohl war von allen Beteiligten anzuerkennen, dass mit extremen Wetterereignissen künftig vermehrt gerechnet werden muss. Das gemeinsame Ziel solle daher sein, das anfallende Wasser auf der Fläche zu halten, damit es dort versickert, wo es gebraucht wird. Als Ursachen für Bodenerosion gelten zum einen natürliche Faktoren, wie die Bodenart, die Hangneigung und die Hanglänge, aber auch bewirtschaftungsbedingte Faktoren, wie der Anteil der verschiedenen Kulturen, die Bearbeitungsrichtung und das Bearbeitungssystem bzw. die Häufigkeit der Bodenbearbeitung. Die im Kraichgau vorherrschenden Lössböden sind dabei besonders anfällig gegenüber einer Abspülung durch Wasser. Beim Aufprall von Regentropfen verschlämmt die oberste Bodenschicht und verhindert das Versickern des Wassers, das dann oberflächlich abfließen muss.

Angesprochen wurden verschiedene „Rückhaltesysteme“, die helfen können, dass weniger Wasser und Schlamm ins Tal gelangen und damit weniger Schäden entstehen. Eine Verringerung der wirksamen Hanglänge durch den Anbau verschiedener Kulturen oder das Anlegen von natürlichen Strukturen wie Grünstreifen wurden genannt. Die Stadt Kraichtal versucht bereits seit einigen Jahren durch das Abschieben von Banketten das Wasser von den Feldwegen flächig in die benachbarten Äcker zu leiten und so den beschleunigten und konzentrierten Abfluss ins Tal zu verhindern. Einig war man sich auch darin, dass das vordringliche Ziel ist, die Aufnahmekapazität des Bodens zu erhöhen und das Verschlämmen der Bodenoberfläche zu verhindern. Hier kann ein humöser Boden mit einer schützenden Bedeckung, in Form einer geschlossenen Pflanzendecke oder aber einer flächendeckenden Mulchschicht, helfen. Anbaumethoden mit dem Verbleib einer geschlossenen Mulchschicht (Direktsaat) werden in Kraichtal bereits angewandt und weiterentwickelt. Hierbei kann auf die Verwendung von geringen Mengen eines in aller Munde befindlichen Herbizids Glyphosat bisher nicht verzichtet werden. Ein Anbau ohne das Pflanzenschutzmittel, auch dies wird bereits praktiziert, macht eine verstärkte Bodenbearbeitung notwendig. Stärkere Bodenbearbeitung bedeutet aber eben auch verstärkte Erosionsanfälligkeit. Der Zusammenhang war auf unmittelbar benachbarten Bewirtschaftungsflächen zuletzt gut nachzuvollziehen.

Im nächsten Schritt werden die Kraichtaler Landwirte nun klären, ob Absprachen zwischen einzelnen Bewirtschaftern verhindern können, dass große benachbarte Flächen mit der gleichen Kultur angebaut werden. Eine gemeinsame Informationsveranstaltung, die noch in diesem Jahr für den November geplant ist, wird in einem weiteren Schritt sowohl Landwirtschaft als auch die Bevölkerung über Möglichkeiten, Probleme und Grenzen einer Erosionsabwehr durch weitere landwirtschaftliche Maßnahmen aufklären. Dazu werden Stadtverwaltung und Landwirtschaftsamt gemeinsam mit Fachleuten einladen.