Kraichtal (sn). Das 12. Kraichtaler Kolloquium widmete sich vom 20. bis 22.04.2018 im Büergerhaus Gochsheim dem Wasser, einem buchstäblich weltbewegenden Thema. Der Teilnehmerkreis umfasste sowohl angesehene Professoren und Wissenschaftler von Universitäten aus ganz Deutschland, von Kiel und Potsdam bis nach Trier und Freiburg im Breisgau, als auch – wie bei diesen Kolloquien von jeher üblich – interessierte Laien von nah und fern. Die durchweg qualitätvollen Vorträge und intensiven Diskussionen zeigten einmal mehr, wie existentiell das Wasser war und ist, seinen Leben spendenden Nutzen einerseits und die elementare Gefahr, die von ihm ausgeht, andererseits.

Bereits die Römer verfügten über hochentwickelte Techniken, das Wasser für alle möglichen Zwecke nutzbar zu machen, es dorthin zu führen, wo sie es brauchten, zum Mahlen von Getreide, zum Sägen von Holz und von Steinen, und nicht zuletzt für ihre geradezu legendäre Badekultur. Im Übergang von der Antike zum Mittelalter geriet von diesen hochkulturellen Errungenschaften vieles wieder in Vergessenheit. Aber das Wasser blieb doch unentbehrlich und so machte die Not erfinderisch. Insbesondere gilt dies für Burgen, deren Wasserversorgung, soweit diese auf Bergeshöhen lagen, die denkbar größten Probleme aufwarf. Eine zentrale Aufgabe war dabei die Sicherstellung einer angemessenen Trinkwasserqualität. In mittelalterlichen Städten, in denen auf engem Raum besonders viele Menschen nebeneinander lebten, benötigte man nicht nur Trinkwasser, sondern auch Brauchwasser für vielfältige Gewerbe, wobei die Sicherung von Sauberkeit und Hygiene wiederum die allergrößten Anstrengungen erforderte – sowohl bei der Versorgung als auch bei der Entsorgung. Gleichwohl trugen die Stadtväter im mittelalterlichen Nürnberg auch ihrem Repräsentationsbedürfnis Rechnung und errichteten einen kunstvollen Marktbrunnen mit allerlei Wasserspielen, die den Menschen von nah und fern die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Reichsstadt und ihres Rats vor Augen führten.

Zu den Mühen, das lebensnotwendige Nass zu beschaffen und nach Gebrauch auch wieder loszuwerden, kamen allzeit die großen Gefahren, die Wasser mit sich bringen kann. Immer wieder erlebt die Welt Tsunamis mit schrecklichen Folgen. Hochwasser des Rheins, der Donau, der Elbe und anderer großer Flüsse stellen sich beinahe regelmäßig ein. Davon, dass selbst kleine, vermeintlich harmlose Bäche ein ungeahntes Gefahrenpotential entwickeln können, zeugen zahllose Hochwassermarken in Gochsheim und vielerorts sonst. So verursachten tagelange starke Regenfälle in den Jahren 1342 und 1784 deutschlandweit die denkbar größten Schäden; ganze Dörfer gingen damals unter und die Landschaften wurden nachhaltig verändert.

Anders als solche, letztlich vom Menschen verursachte Katastrophen, zeigt die Badekultur des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit eine höchst angenehme Seite des Wassers, und der Faszination von Wunderbrunnen wollten sich im 17. Jahrhundert selbst Protestanten nicht entziehen. Aber weil Wasser immer von allen gebraucht wird, war es auch immer Gegenstand von Streit und beschäftigte häufig das Reichskammergericht – zum Glück der Historiker, denn ihnen fehlt es so nicht an Quellen.

Am Freitagabend, 20.04.2018, wurde Band 10 der Buchreihe „Kraichtaler Kolloquien“ vorgestellt. Heraus­gegeben von Prof. Dr. Kurt Andermann und Dr. Nina Gallion, trägt er den Titel „Weg und Steg” und befasst sich mit dem Verkehswesen vergangener Zeiten. Samstags empfing Bürgermeister Ulrich Hintermayer die Teilnehmer der Tagung im Rittersaal des Gochsheimer Graf-Eberstein-Schlosses. Deutschlandweit gelten die Kraichtaler Kolloquien aufgrund ihrer hohen wissenschaftlichen Qualität und ihrer guten Atmosphäre als legendär.