Kraichtal (sn). Im Jahr 1989 wurde der mitten im Wald gelegene Pfannwaldsee als Teil des circa 100 Hektar großen Naturschutzgebiets „Kleiner Kraichbach“ unter Schutz gestellt. Zuvor war das Gewässer im Gründungsjahr der Stadt Kraichtal (1971) künstlich, ohne jegliche Flachwasserzonen, angelegt worden. Seither finden im idyllisch gelegenen See viele gefährdete Tierarten, wie beispielsweise Amphibien und Libellen, gute Entwicklungsmöglichkeiten. In der jüngsten Vergangenheit führten die teils unterschiedlichen Interessen – hoher ökologischer Wert für Flora und Fauna (Naturschutz) und idyllisches Erholungsgebiet (Bevölkerung) – immer wieder zu Schwierigkeiten. „Die Flächen um den See werden nicht ausreichend gemäht, teilweise wachsen Brennnesseln“, äußerten besorgte Oberöwisheimer Bürger bei einem Vor-Ort-Termin im Dezember 2017 ihren Unmut gegenüber Bürgermeister und Stadtverwaltung. Auch die Parksituation entlang der Straße wurde kritisiert. Menschen mit Behinderung könnten die Bänke am Wasser kaum erreichen.

Nun zeigt sich deutlich, dass die intensiv geführten Gespräche mit der Bevölkerung, den Jagdpächtern und Vertretern des Fischervereins sowie der Termin zwischen der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Karlsruhe, RP) und der Stadt Kraichtal „erste Früchte tragen“.

Kurz nachdem das zuständige RP dem Antrag auf Befreiung von den Bestimmungen der Verordnung zum Naturschutzgebiet „Kleiner Kraichbach“ stattgegeben hatte, wurden bereits die ersten von insgesamt 13 Maßnahmen umgesetzt. So konnten zwischenzeitlich von den Stadtwerken Kraichtal drei Behindertenparkplätze am unmittelbar zum Pfannwaldsee gelegenen Straßenrand der Verbindungsstraße zwischen Oberöwisheim und Odenheim angelegt werden. Hierzu musste zunächst die Fläche ausgekoffert, Wurzelwerk entfernt und schließlich mit rund 30 Tonnen standorttypischem Material geschottert werden. Die entsprechenden Verkehrsschilder werden zeitnah angebracht. Die Parkplätze werden mit den ohnehin bereits vor Ort liegenden Baumstämmen abgegrenzt. Sie verhindern, dass direkt bis hin zum Seeufer geparkt wird. „Zumal die besonders naturbelassenen Uferflächen enorm wichtig für die Rückwanderung der jungen Frösche und Kröten, hin zum Laichgewässer, sind“, weiss Tina Kassner, Umweltbeauftragte der Stadt Kraichtal.

Generelles Ziel weiterer Maßnahmen ist nun, das Naturschutzgebiet besucherfreundlich, unter Beachtung der einzuhaltenden Naturschutzvorgaben, zu gestalten. Dieser Vorgabe wird auch das Anbringen eines Geländers als Fallsicherung am Auslaufbereich des Sees gerecht, das so gestaltet wurde, dass es sich harmonisch ins Landschaftsbild einfügt. Auch die beanstandeten Brennnesseln wurden vor geraumer Zeit entfernt, die Kneippanlage gesäubert und für die in Kürze beginnende Freiluftsaison hergerichtet sowie der Fußweg am See gemulcht. Aufgrund Beanstandungen der Oberen Naturschutzbehörde galt es außerdem, zwei Ruhebänke mit Blick auf den See zu versetzen. „Auch diese Arbeiten konnten in den vergangenen Tagen bereits ausgeführt werden“, berichtet Steffen Leuschel von den Stadtwerken Kraichtal, Arbeitsgruppe „Tiefbau“. Weiter führt er aus, dass „in Kürze am neuen Standort der Bänke noch Büsche angepflanzt werden, die dem Rastenden Schutz bieten sollen“.

Doch damit nicht genug: Im kommenden Jahr wird durch das Naturschutzgebiet „Kleiner Kraichbach“ ein etwa sieben Kilometer langer Wanderweg mit Familien als Hauptzielgruppe ausgewiesen und ausgeschildert werden. Wanderer mag es insbesondere freuen, dass der Weg maßgeblich auf unbefestigtem Boden verläuft. Der Wanderweg wird zusammen mit anderen „Top-Wanderwegen“ der Region über die Tourismusgemeinschaft Kraichgau-Stromberg vermarktet werden. Er verbindet die drei Hauptziele Pfannwaldsee, Galgenhohle und Sternwarte. Der Wanderweg soll als Öko-Regio-Tour den naturnahen und schonenden Tourismus in der Region fördern.